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Bio-Betrieb der Familie Beer in Trub / BE

Wärme und Strom aus Gülle

Ökostrom liefern und Abwärme nutzen Der Schritt zur Biogasanlage war für die Bio-Landwirtschaft der Familie Beer in Trub eine logische Fortsetzung. Heute liefert man neben Vieh und Bio-Milch auch Ökostrom und deckt den eigenen Wärmebedarf mit der Abwärme des Blockheizkraftwerks ab.

Bio-Betrieb der Familie Beer in Trub / BE

Ökostrom liefern und Abwärme nutzen

„Mit Biogas haben wir uns zum Energiewirt entwickelt“, sagt Fritz Beer, Landwirt auf dem Betrieb „Ober Häusern“ in Trub. Hier im Emmental spielt zwar traditionell das Holz eine wichtige Rolle als Baustoff und Energieträger. Lange Zeit kam auch für die Familie Beer die Energie fürs Heizen des grossen Bauernhauses aus dem eigenen Wald. Doch eines Tages galt es, die 30jährige Stückholzfeuerung zu ersetzen. Gleichzeitig dachte man an die meist schwierige Handhabung der Güllenentnahme aus der Schweinezucht. Diese beiden unterschiedlichen Problemkreise brachte Fritz Beer zusammen und begann sich über die Chancen einer Biogasproduktion, mit der Strom und Wärme erzeugt werden kann, zu informieren.

Vom Bio-Betrieb zur Biogasverarbeitung

Fritz Beer sagt: „In dieser Phase konnte ich einige landwirtschaftliche Biogasanlagen besuchen und mich über Planungs-, Bau- und Betriebsdetails schlau machen. Zudem bestand bei einem lokalen Stromlieferanten ein Interesse an Ökostrom.“ Im Jahr 2012 setzte die Familie den spannenden Gedanken um und erstellte eine äusserst kompakt gestaltete Anlage neben den Ställen.   Der Betrieb der Familie Beer umfasst heute rund 20 Kühe mit Jungvieh sowie 45 Muttersauen mit Ferkel. Auf den 17 Hektaren des Betriebs wird vorwiegend Gras und wenig Mais angebaut. Der Schritt zur biologischen Landwirtschaft reicht bereits zurück auf 1996, zwei Jahre nachdem die Übernahme vom Vater erfolgt war. Vom Hof gelangen jährlich ca. 100’000 Liter Biomilch zur Verarbeitung.

Kompakte Anlage für maximale Gasproduktion

In der Planung und im Bau der Biogasanlage war unter anderem die Schweizer AG für Biogas- und Umwelttechnik involviert, Fritz Beer führte jedoch die Bauleitung selbst durch. Im Untergeschoss des neuen Gebäudes wurde der 300 m3 grosse Fermenter platziert, im Erdgeschoss das Blockheizkraftwerk (BHKW) mit 30 kW elektrischer und 50 kW thermischer Leistung. Darüber der flexible Gasbehälter mit 60 m3 Inhalt. Die Anlagensteuerung ist so ausgelegt, dass bei 50 % Füllung der Gasmotor startet und bei einer Volumenverminderung auf 20 % der Betrieb eingestellt wird.   „Der Fermenter funktioniert wie eine Hochleistungs-Kuh, die Zusammenstellung der Inhaltsstoffe führen wir im Hinblick auf eine maximale Gaserzeugung durch“, sagt Fritz Beer. Die zur Vergärung gebrachten Hofdünger, welche 90 % ausmachen, kommen zur Hälfte vom eigenen Betrieb, der Rest sind Hühnermist und Schweinegülle von anderen Landwirtschaftsbetrieben. 10 % der Vergärung stammen aus der Lebensmittelindustrie: vorwiegend Kaffeesatz und Gewürztreber der Haco AG in Gümligen. Selten wird zur schnellen Steigerung der Gasproduktion noch flüssiges Glycerin eingesetzt.   Mit dem Generator des BHKW werden jährlich rund 210’000 kWh Strom erzeugt, die mit KEV-Unterstützung ins örtliche Netz eingespiesen werden. Die Abwärme wird einerseits für den Fermentationsprozess eingesetzt, anderseits für den Stall der Jungtiere, fürs Gebäude, für die Heutrocknung sowie für ein kleines Gewächshaus hinter der Biogasanlage. Die Familie Beer gehört damit nicht nur zur ersten Biogas-Produzentin im Tal von Trub, sondern kann im Frühling auch zuerst frisches Gemüse ernten. Dank der Biogasanlage konnte man hier auf einen eigentlichen Ersatz des Heizkessels im Gebäude verzichten und wärmt die zahlreichen Zimmer mit der Abwärme des BHKW.

Ins Bild eingebettet

Die damalige Auslegung der Anlage sah einen Betrieb von täglich 16 Stunden vor. Inzwischen läuft das BHKW durchschnittlich 22 Stunden. Die kompakte Bauweise mit einem überdachten Gebäude ist begründet durch die Minimierung des Bodenflächenbedarfs, durch den wirkungsvollen Schutz vor Witterungseinflüssen und durch eine integrierende optische Erscheinung neben dem 150-jährigen Berner Bauernhaus. Das angelieferte Co-Substrat kann von Regen und Schnee geschützt zwischengelagert werden.   Fritz Beer fasst zusammen: „Wir können heute einerseits vorhandene Energie optimal nutzen, die Abwärme des BHKW als Zusatzeffekt einsetzen und mit stickstoffreicherer Gülle unsere Felder düngen. Der Arbeitsaufwand für den Anlagenbetrieb darf man jedoch nicht vernachlässigen. Das Potenzial muss aber genutzt werden.“

Kontakt:
Fritz und Alexandra Beer
Ober Häusern
3556 Trub
a.f.beer@bluewin.ch