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Wie mit Gas 50 Prozent CO2 reduziert werden kann

8. Juni 2018

Die Revision des CO2-Gesetzes ist für die Schweizer Gaswirtschaft ein politisches Schlüsseldossier, wie VSG-Präsident Martin Schmid an der Generalversammlung des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie VSG am 5. Juni in Bern ausführte. Er zeigte auf, dass die Branche fest entschlossen ist, ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Die geplanten Vorschriften für Gebäude sind für die Branche jedoch nicht akzeptabel, da sie letztlich einem Verbot von fossilen Heizungen gleichkommen.

Die Schweizer Gaswirtschaft wird in den kommenden Jahren die Einspeisung von erneuerbaren Gasen markant fördern. Ziel ist, deren Anteil im gasversorgten Wärmemarkt bis ins Jahr 2030 auf 30 Prozent zu erhöhen. Damit die Branche die Produktion weiter ausbauen kann, braucht es jedoch entsprechende Rahmenbedingungen. Die Gaswirtschaft fordert daher eine Teilzweckbindung der CO2-Abgabe zugunsten erneuerbarer Gase. Die von der Gaswirtschaft bezahlte CO2-Abgabe beläuft sich auf über 500 Millionen Franken. Rund 150 Millionen, so der VSG-Präsident, sollten künftig für die Förderung erneuerbarer Gase und anderer alternativer Wärmesysteme verwendet werden.

Eine weitere Baustelle, die von der Branche ein grosses Engagement erfordert, ist die Anerkennung von Biogas als erneuerbare Energie im Zusammenhang mit der Umsetzung der Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn 2014). Die Gaswirtschaft muss in jedem einzelnen Kanton vorstellig werden und sich für die Anerkennung einsetzen. Für Martin Schmid eine nicht nachvollziehbare Situation: „Mit einem Anteil von 30 Prozent erneuerbaren Gasen im Netz reduzieren wir die CO2-Emissionen im Vergleich zu Öl um 50 Prozent.“

Sorgen bereitet der Branche die Energieplanung in Städten, in denen Zonen definiert werden, wo Gas künftig noch genutzt wird und wo nicht. „Ist das Gasnetz einmal zurückgebaut, lässt es sich nicht einfach wiederherstellen, wenn es dann wieder gebraucht wird“, warnte der VSG-Präsident. Gas sei eine unverzichtbare Technologie auf dem Weg in die Energiezukunft. „Es schafft die Verbindung zwischen Strom und Wärme sowie zwischen Strom und Mobilität. Das Gasnetz wird künftig Strom speichern und für andere Nutzungen zur Verfügung stehen.“ Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Sektorkopplung oder Netzkonvergenz.

Mit der Power-to-Gas-Technologie kann nicht nur überschüssiger erneuerbarer Strom gespeichert werden, Gas leistet auch einen wichtigen Beitrag für die Versorgungssicherheit der Schweiz. Dies vor allem im Winter, wenn das Land immer mehr von Stromimporten aus nicht erneuerbaren Quellen abhängig ist. Die Eidgenössische Elektrizitätskommission (Elcom) fordert ihn ihrer neusten Studie zur Versorgungssicherheit 2025, dass ein „substanzieller Teil der Winterproduktion“ in der Schweiz produziert wird. Dazu sind Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen (WKK) wie Blockheizkraftwerke bestens geeignet, da sie nicht nur Wärme, sondern auch Strom produzieren. Wie der VSG-Präsident ausführte, fehlen jedoch nach wie vor die notwendigen Anreize, insbesondere für den Betrieb kleinerer WKK-Anlagen.

Keine vernünftige Klimapolitik ohne Gas
In ihrem Gastreferat sprach Christine Hofmann, stellvertretende Direktorin beim Bundesamt für Umwelt, über die Rolle von Gas in der schweizerischen Klimapolitik. „Erneuerbares Gas soll mittel- und langfristig eine zentrale Rolle in der Mobilität, dem Gebäudebereich und der Industrie spielen“, sagte Christine Hofmann. In der anschliessenden Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung wurde die Frage diskutiert, ob die Klimapolitik der Schweiz stimmig oder gar widersprüchlich sei. Bei der Ausgestaltung der klimapolitischen Instrumente müssen die Wirtschaftlichkeit und die Wettbewerbsfähigkeit im Auge behalten werden, so das Fazit der engagiert geführten Diskussion.

Quelle: Verbands der Schweizerischen Gasindustrie VSG