30. Oktober 2026

Rückblick POWERLOOP Forum 2026: Die digitale Zukunft braucht das ganze Energiesystem

Weit über 100 Teilnehmende diskutierten am POWERLOOP-Forum 2026, wie sich Rechenzentren sicher, effizient und nachhaltig mit Energie versorgen lassen. Der Anlass in uptownBasel zeigte: Die Lösungen liegen im Zusammenspiel von Strom, Wärme, Speichern und molekularen Energieträgern. Dafür braucht es eine technologieoffene Energiepolitik, die auch in den Gemeinden funktioniert.
Am 29. Oktober 2026 brachten POWERLOOP und die Swiss Data Center Association (SDCA) in der uptownHall in Arlesheim Energieversorgung und Digitalisierung zusammen. Vertreten waren Unternehmen, Energieversorger, Rechenzentren, Technologieanbieter sowie Politik, Verwaltung und Wissenschaft. Durch das Programm führte POWERLOOP-Geschäftsführer Remo Daguati. Tischausstellung, persönliche Gespräche und Networking ergänzten die Referate.
Sackmesser statt Einheitsklinge
Nationalrätin Monika Rüegger und Nationalrat Michael Götte, das Co-Präsidium von POWERLOOP, eröffneten das Forum mit einer klaren Botschaft: Energiepolitik muss das gesamte System erfassen. Monika Rüegger stellte dafür das Bild des Schweizer Sackmessers ins Zentrum. Wärme-Kraft-Kopplung, Power-to-X, Batterien, thermische Speicher und intelligente Steuerungen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Entscheidend ist die passende Kombination am jeweiligen Standort. Eine Jahresstrombilanz allein garantiert weder Versorgungssicherheit noch einen leistungsfähigen Netzanschluss. Michael Götte formulierte vier Aufgaben für die Politik. Erstens müsse der Systemnutzen mehr zählen. Zweitens brauche es verlässliche Rahmenbedingungen, damit Private wie Unternehmen in Speicher, steuerbare Produktion und Wärmeverbindungen investieren. Drittens müsse die Zusammenarbeit vor Ort einfacher werden: Energieversorger, Gemeinden, Industrie und Infrastrukturbetreiber sollten gemeinsam planen und Energie über Grundstücks- und Betriebsgrenzen hinweg nutzen können. Viertens müsse Bundesbern die kommunalen Realitäten viel stärker berücksichtigen.
Daten brauchen Energie – und bieten zahlreiche Chancen
Roger Süess, Präsident der Swiss Data Association (SDCA), beleuchtete die energetischen Chancen und Herausforderungen von Rechenzentren. Dabei rückte auch die Frage in den Fokus, wie neue Datacenter-Projekte ihre Stromversorgung zeitnah sicherstellen können. Mihaela-Raluca Grigorie vom Bundesamt für Energie betrachtete Rechenzentren zwischen Stromhunger und Systemnutzen. Ihr Beitrag verband die Bedeutung dieser Schlüsselinfrastruktur für den Wirtschaftsstandort mit den Anforderungen an eine nachhaltige Energieversorgung. Tamer Turna von 2G Energy brachte die internationale Perspektive ein. Im Zentrum standen flexible Energielösungen und modulare Energieplattformen, die auch zeitliche Lücken bis zu einem ausreichenden Netzanschluss überbrücken können. Hausherr Bardo Magel, CEO der uptownBasel Group, gab vor der Pause Einblick in die Vision und Entwicklung des Areals.
Drei Königsdisziplinen für die Praxis
Walter Ineichen, Bereichsleiter Netzlösungen bei Energie 360°, stellte die effiziente Abwärmenutzung ins Zentrum. Das Zusammenspiel mit Green in Dielsdorf veranschaulichte, wie Rechenzentren und regionale Wärmeversorgung verbunden werden können. Uwe Braun, Business Development Manager bei Jenbacher, beleuchtete die zuverlässige und effiziente Stromversorgung von Rechenzentren. Internationale Anwendungen eröffneten den Blick auf Lösungen und deren Beitrag zu einem nachhaltigeren Betrieb. Sam Zurbrügg, CEO von Bimex Energy, widmete sich dem hybriden Backup. Im Fokus standen integrierte Versorgungslösungen und intelligente Leitsysteme, die beim Unterbruch den Unterschied machen.
Bundesbern plant – Gemeinden stemmen
Die abschliessende Podiumsdiskussion führte Technik, Wirtschaft und Politik zusammen. Unter der Leitung von Philipp Burkhardt, Leiter der Bundeshausredaktion von Radio SRF, diskutierten Ständerat Thierry Burkart, Nationalrätin Monika Rüegger, IWK-CEO Stefan Schaffner, Magnus Willers, CEO und Inhaber von J. Willers Engineering, sowie Yves Zischek, Managing Director von Digital Realty. Klar erkennbar wurde: Eine einseitig auf Elektrifizierung ausgerichtete Energiepolitik des Bundes führt vor Ort zu einer Überlastung der Gemeinden und ihrer Infrastrukturen. Dort müssen wachsende Stromnachfrage, begrenzte Netzkapazitäten und konkrete Standortbedürfnisse zusammengebracht werden. Ebenso deutlich wurde die Bedeutung molekularer Energiesysteme. Erneuerbare Gase, Wasserstoff und weitere speicherbare Energieträger müssen als Teil der Energiewende politisch und gesellschaftlich salonfähig bleiben. Für steuerbare Produktion, längerfristige Speicherung und eine robuste Versorgung braucht es auch diese Werkzeuge.
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Vernetzen, was zusammengehört
Beim anschliessenden POWERLOOP-Apéro wurden die Gespräche zwischen Energiebranche, Rechenzentren und Politik weitergeführt. Ein herzlicher Dank gilt allen Referierenden, Podiumsgästen, Sponsoren und Ausstellern, der SDCA als Mitveranstalterin sowie dem Team von uptownBasel für die Gastfreundschaft.
Bilder: Alexandra Vogel, graustufen gmbh